Labrador Welpe mit Maulkorb

Labrador Welpe mit Maulkorb

Liebe Hundefreunde,

leider kommt man in unserer Gesellschaft manchmal nicht darum herum, seinem Hund einen Maulkorb anzulegen. Das ist aber eher für den Hundehalter als für den Hund ein Problem- sofern man seinen Hund richtig an das Tragen eines Maulkorbes gewöhnt hat. Wie man das richtig macht, erklärt uns Jutta Schmid, Inhaberin des Hundezentrums Ulm, heute in einem Gastbeitrag. Viel Spaß beim Lesen!

Für viele Hundehalter wird der Maulkorb als etwas sehr Unangenehmes empfunden und sie verstehen zunächst überhaupt nicht, welche Vorteile es hat, den Hund früh genug an das Tragen eines Maulkorbes zu gewöhnen.

Denn manchmal erfordern es gewisse Umstände, dem Hund einen Maulkorb anzulegen. Sei es, weil ein Hundehalter mit seinem Hund ein bestimmtes Land bereist, in dem das Tragen eines Maulkorbes vorgeschrieben ist, oder weil ein Hund gebissen hat und das Tragen eines Maulkorbes als Auflage vom zuständigen Gemeindeamt vorgeschrieben wurde.

Auch für therapeutische Zwecke ist das Tragen eines Maulkorbes manchmal nötig.

Ob ein Hund sich einen Maulkorb ganz entspannt anlegen lässt und diesen dann noch ganz gelassen trägt, oder ob er sich dagegen wehrt und ihn ständig abstreifen möchte, völlig versteinert stehen bleibt oder sogar „in sich zusammenfällt“ hat allein damit zu tun, wie der Hund an das Tragen eines Maulkorbes gewöhnt wird.

Oft wird einem Hund ohne Gewöhnung, aus einer dringenden Notwendigkeit heraus, ein Maulkorb angelegt. Zum Beispiel weil er den Tierarzt nicht mag und dieser sich vor dem Hund schützen möchte. Oder der Hund wehrt sich beim Zecken entfernen und der Halter möchte sich durch das Anlegen eines Maulkorb schützen. Oder ein Hund lässt sich nicht gerne bürsten oder die Pfoten säubern.

Kurzum, immer dann wenn etwas für den Hund Unangenehmes passiert. So kann ein Hund den Maulkorb nur als etwas Negatives empfinden.

 

Erfolgreiche Gewöhnung in drei Schritten:

1. Auswahl und Kriterien für den passenden Maulkorb

2. Vortraining

3. Eigentliches Training
Ein Maulkorb, richtig angepasst, lässt sich nicht über den Fang nach vorne ziehen!

Er darf am Nasenspiegel und an Knochenvorsprüngen sowie unter den Augen nur locker anliegen!

Ein richtig angepasster Maulkorb muss so viel Platz bieten, dass der Fang geöffnet werden kann und ungestörtes Hecheln und Trinken möglich ist!

Zur Maulkorbanpassung, lässt es sich leider nicht umgehen den Hund mitzunehmen. Um die Anpassung möglichst stressfrei zu gestalten, sollte man vorher schon ein gewisses Vortraining absolvieren.

Streicheln Sie Ihren Hund öfter am Fang/Schnauze. Umfassen Sie hin und wieder den Fang mit beiden Händen und loben Sie den Hund ausgiebig während er dies geschehen lässt.

Haben Sie das Gefühl, dass dieses Anfassen für den Hund nicht unangenehm ist kommt eine weitere Übung hinzu: legen Sie dem Hund spielerisch einen z. B. Kniestrumpf über den Nasenrücken. Loben Sie wenn er sich dies gefallen lässt.

Nach zwei- bis drei solcher Übungen legen Sie den Strumpf wieder über die Nase und überkreuzen den Strumpf an den Enden, spielerisch unter dem Fang und lassen dann los.

Der nächste Schritt wäre: geben Sie ein paar Leckerchen in den Strumpf und stülpen sie ihn soweit zusammen dass sie quasi nur noch ein „Söckchen“ haben.

Halten sie den Strumpf mit beiden Händen so vor den Hund, dass dieser sich die Leckerchen über die sich ihm bietende Öffnung des Strumpfes holen kann. So erarbeitet liegt dem Hund die Socke automatisch für einige Zeit über dem Fang.

Diese Übung sollten Sie einige Male über mehrere Tage verteilt zu Hause in verschiedenen Räumen und auch draußen unterwegs an verschiedenen Orten durchspielen. Gestalten Sie die Übung für Ihren Hund stets so angenehm wie nur möglich.

Jetzt müsste es mit dem Kauf und Anpassen klappen.

Am ersten Tag zeigen Sie dem Hund den Maulkorb immer dann, wenn Sie etwas für ihn Positives mit ihm machen. Zum Beispiel vor dem Füttern, vor dem Gassi gehen, vor dem Spielen usw.

Am zweiten Tag schmieren Sie etwas Streichwurst in den Maulkorb, halten diesen mit beiden Händen fest und lassen den Hund den Korb auslecken. Wiederholen Sie diese Übung öfter. Der Hund wird seinen Fang recht schnell sehr gerne in den Maulkorb stecken.

Am dritten Tag können Sie bereits, während der Hund die Köstlichkeit aus dem Korb leckt, den Nackenriemen für kurze Zeit schließen. Etwa nach 10 bis 15  Sekunden nehmen Sie ihn wieder ab. Diese Übung mehrmals am Tag wiederholen. Loben Sie Ihren Hund nur währenddessen er den Fang im Korb hat und der Maulkorb getragen wird. Nicht loben wenn er abgenommen wird!!

Am vierten Tag dehnen Sie die Zeit des Tragens schon etwas aus. Nehmen ihn wieder ab und setzen ihn wieder auf. Loben Sie das Anziehen des Korbes und loben Sie das Tragen des Korbes. Ein gut sitzender Korb macht es auch möglich ein Leckerli aufzunehmen. Diese Übung mehrmals wiederholen.

Am fünften Tag nach dem „Anlegeritual“ einige Schritte mit dem Hund an der Leine gehen. Erst zu Hause, dann draußen. Die Zeit des Tragens nicht zu schnell ausdehnen. Lieber öfters und nur kurze Zeit.

Ab dem siebten Tag sollte der Hund den Korb bereits einige Minuten tragen können ohne dass er ihn abstreifen möchte. Während des Ausgangs sollte der Korb immer mal abgenommen und wieder angelegt werden.

Die nächsten Tage die Tragezeit ausdehnen bis der Hund den Korb problemlos 1Std. trägt.

Richtiges Loben: Den Hund loben während der Maulkorb angelegt und während er getragen wird. Nicht loben wenn der Maulkorb abgenommen wird.

Der Hund soll die Erfahrung machen, dass das Anlegen und das Tragen des Korbes für ihn Angenehmes bedeutet und nicht das Abnehmen des Korbes.

Loben Sie das Abnehmen des Korbes, kann es passieren, dass der Hund den angelegten Korb schnell wieder weg haben möchte weil dann Angenehmes für ihn folgt.

Grundsätzlich gilt: Den Hund mit angelegtem Maulkorb nie unbeaufsichtigt lassen. Trotz der positiven Gewöhnung kann es vorkommen, dass der Hund den Korb plötzlich als störend empfindet. Um Verletzungen an Augen/Gesicht oder den Pfoten vorzubeugen, unterbinden Sie jeden Versuch des Hundes den Maulkorb abzustreifen. In aller Ruhe ohne Hektik und ohne laut zu werden.

Vermeiden Sie jede Negativerfahrung im Zusammenhang mit dem Maulkorb.

Herzliche Grüße

Ihre Jutta Schmid

© Tanjas Hundeblog- www.tanjas-hundeblog.info

Bildquelle: © Jossi – Fotolia.com

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Wie gewöhne ich meinen Hund an einen Maulkorb?
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  • Peter D. 29. Oktober 2012, 15:30

    Also bei meinem Labrador hat die Methode mit dem gewöhnen an den Maulkorb sehr gut geklappt. Leider ist mein Hund auf den Maulkorb angewiesen, weil dieser in der Vergangenheit auch schon öfters Kinder gebissen hat.:(

    Aber der Maulkorb stellt eine sinnvolle Lösung dar, wenn man den Hund an ihn gewöhnt hat. Vielen dank an den Verfasser, die Verfasserin für diesen wundervollen Tipp zum Umgang mit dem Hund während der Eingewöhnungsphase ;).

    MfG Peter

    Reply
    • Tanja Häußler 31. Oktober 2012, 19:25

      Hallo Peter,

      vielen Dank für die Blumen!

      Gruß Tanja

      Reply
  • Strelow 2. Mai 2015, 17:00

    Danke für die Tipps! Ich habe einen ehemaligen Strassenhund, der leider unterwegs alles frisst trotz hundetraining . Da bei und giftköder ausgelegt sind, will ich ihn an den Maulkorb gewöhnen.

    Reply
    • Tanja Häußler 3. Mai 2015, 09:05

      Hallo Strelow,
      auch dabei kann ein Maulkorb behilflich sein. Ein Maulkorb ist nichts schlimmes und ein Hund kann sich daran sehr gut gewöhnen.
      Ich wünsche Dir und Deinem Vierbeiner viel Spaß beim Üben!

      LG Tanja

      Reply
    • marie 4. September 2016, 19:05

      Danke für diese Idee! In letzter Zeit häufen sich auch bei uns Berichte über Gift oder Rasierklingenköder (welches Kranke … macht so was bitte??).
      Ich glaube bis der Verantwortliche gefunden ist probiere ich es auch mal mit einem Maulkorb beim spazieren gehen… nicht auszudenken wenn……. wuhaaa

      Reply

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