Labrador Retriever

Labrador Retriever

Liebe Hundefreunde,

die richtige Antwort auf die Frage „Welcher Hund passt zu mir?“ ist von elementarer Bedeutung für eine gut funktionierende Mensch- Hund- Beziehung. Leider wird dieser Thematik immer noch viel zu wenig Beachtung geschenkt.

Ich möchte meinen Lesern helfen, diese Frage korrekt für sich zu beantworten. Deshalb habe ich bereits über die Grundlagen zur Beantwortung der Frage „Welcher Hund passt zu mir?“ auf diesem Blog in einer vierteiligen Reihe darüber geschrieben und einen Gratis- Ratgeber dazu verfasst.

Sozusagen als Fortsetzung werde ich in unregelmässigen Abständen Porträts über die wichtigsten Hunderassen veröffentlichen und Ihnen dadurch hoffentlich helfen, den Hund, der am besten zu Ihnen passt, zu finden.

Heute wollen wir uns mit dem Labrador Retriever  beschäftigen.

Der Labrador Retriever belegt unter den beliebtesten Hunderassen Deutschlands den vierten Platz. Dies besagt zumindest die offizielle Welpenstatistik des VDH, Stand 2011.

Der Verband für das Deutsche Hundewesen vertritt Deutschland in der Fédération Cynologique Internationale. Als Dachorganisation von bundesweit 176 Mitgliedsorganisationen (Rassehunde-Zuchtvereine sowie Hundesportvereine) repräsentiert der VDH mehr als 650.000 Mitglieder.

Über 250 verschiedene Hunderassen werden in den Zuchtvereinen des VDH betreut.

In die Zuchtbücher der VDH-Mitgliedsvereine werden jährlich ca. 90.000 Welpen eingetragen – gezüchtet nach den Zuchtbestimmungen des VDH und mit entsprechenden Wurfkontrollen.

Die Ahnentafeln des VDH sollen – so der VDH – gewährleisten, dass die darin enthaltenen Angaben korrekt sind und strenge Wurf- und Zuchtkontrollen durchgeführt wurden.

Diese Welpen werden in der Welpenstatistik des VDH aufgeführt.

Man sollte bei dieser Liste allerdings bedenken, dass einige Rassen nicht ausschließlich Familienhunde sind, sondern hauptsächlich als Arbeitshunde eingesetzt werden.

Dies trifft allerdings nicht auf den Labrador Retriever zu, der heute hauptsächlich als Familienhund gehalten wird.

Labrador Retriever

Labrador- Retriever

Herkunftsland: Großbritannien

Schulterhöhe: Rüde 56-58 cm, Hündin 54-56 cm

Gewicht: Rüde 30 – 36 kg, Hündin 25 – 32 kg

Fell: Hartes, dichtes Deckhaar mit wasserabweisender Unterwolle

Farbe: Schwarz-Gelb, Leder- oder Schokoladenfarben, ein kleiner weißer Brustfleck ist zulässig

Lebenserwartung: 12-14 Jahre

Kategorie: Apportierhunde

Der Labrador-Retriever ist eine von der FCI anerkannte britische Hunderasse (FCI-Gruppe 8, Sektion 1, Standard Nr. 122).

 

Herkunft und Geschichte

Die Vorfahren des Labradors stammten ebenso wie der Neufundländer und der Landseer von der kanadischen Ostküste. Namensgebend für die Rasse ist die Labrador-Halbinsel. Über die ursprüngliche Herkunft dieser Hunde besteht weniger Klarheit, dazu gibt es verschiedene historische Versionen.

Als „der wahre Labrador“ wurde der Labrador 1814 vom Neufundländer unterschieden und im Verlauf des 19. Jahrhunderts in England gezüchtet, die Bezeichnung „Labrador Retriever“ wird zuerst 1870 benutzt, wobei sich „retrieve“ auf seine ausgeprägten Apportieranlagen bei der Jagd bezieht.

Beschrieben wurde der Labrador Retriever als mittelgroßer, kräftiger Hund mit typischem breiten Schädel und dicht behaarter „Otterrute“.

Im Gegensatz zum größeren Neufundländer, dessen Aufgabe es war, Menschen vor dem Ertrinken zu retten, hatte dieser kleinere und leichtere Hund eher die Aufgabe, bei der Jagd zu helfen oder abgetriebene Fische und Fischernetze aus dem Meer zu holen.

Fischer brachten ihn im Lauf des 19. Jahrhundert nach England mit, wo man ihm den Namen Labrador gab.

Zunächst war der Labrador schwarz. Der erste gelbe Labrador, der nicht als Fehlzüchtung betrachtet wurde, war nach Überlieferungen Ben of Hyde, 1899 in der Zucht des Major Charles Radclyffe geboren. Da die Farbe nur rezessiv vererbt wird, wurde der gelbe Labrador erst später als Farbe neben schwarz anerkannt.

Als eigenständige Hunderasse wurde der Labrador am 7. Juli 1903 vom englischen Kennel Club anerkannt. Durch Erfolge bei Ausstellungen wurde seine Zucht rasch populärer. In den späteren Jahren entwickelten sich zwei Linien, die Showlinien mit kompakterer Statur, und die Arbeitslinien mit einem leichteren Erscheinungsbild.

Heute ist der Labrador Retriever nicht nur in Großbritannien und den USA die beliebteste und am meisten verbreitete Hunderasse.

 

Wesen

Labrador Retriever sind sehr gutmütige und freundliche Hunde. Jegliche Art von Schärfe, Aggressivität oder Scheu gegenüber Menschen sind dem rassetypischen Labrador fremd. Der Labrador Retriever verhält sich sowohl seiner Umwelt als auch Menschen gegenüber freundlich, aufgeschlossen und neugierig.

Er fühlt sich in der Gegenwart von Menschen wohl und zeigt auch keine Scheu, Angst oder Unsicherheit, wenn diese ihm zu nahe kommen.

Auch im Umgang mit Artgenossen gibt er sich freundlich und entspannt.

Der Labrador Retriever ist ein sehr geduldiger und ausgeglichener Hund.

Dies rührt wahrscheinlich von seiner langjährigen jagdlichen Nutzung her. Als Apportierhund hatte der Labrador Retriever während der Jagd neben seinem Herrchen oder Frauchen zu liegen, bis das Wild aufgestöbert und geschossen war, um dann das tote Wild zu apportieren.

Ein Retriever sollte ein „weiches Maul“ haben, er sollte die Beute ohne Beschädigung zum Hundeführer bringen. Geblieben ist dem Labrador Retriever auch seine Liebe zum Wasser und zum Apportieren. Er schwimmt gerne und Gelegenheit dazu sollte man ihm auch täglich geben!

Ein Labrador Retriever bringt einen ausgeprägten „will to please“ mit. Das heißt, er hat das starke Bedürfnis, seinem Besitzer zu gefallen.

Dies macht den Labrador Retriever zu einem Hund, der auch bei Anfängern sehr beliebt ist.

 

Verwendung

Trotz seiner eigentlich sehr ruhigen Art benötigt der Labrador Retriever viel geistige und körperliche Beschäftigung.

Prädestiniert für einen Apportierhund ist natürlich das Dummytraining, aber auch bei der Fährtensuche oder bei der Großflächensuche ist er mit Begeisterung dabei. Auch als Rettungshund wird der Labrador Retriever gerne eingesetzt.

Und seine gutmütige, freundliche Art macht ihn zum idealen Therapie- oder Blindenführhund.

Als Wachhund ist der „Labbi“ denkbar schlecht geeignet. Es könnte höchstens passieren, dass er, nachdem er den Einbrecher freudig schwanzwedelnd hereingelassen hat, diesen „zu Tode leckt“…

 

Rassetypische Erkrankungen

Wie bei allen großen und schweren Hunden besteht beim Labrador Retriever die Gefahr einer Hüftgelenksdysplasie (HD) sowie einer Ellenbogendysplasie (ED).

Die Zuchthunde der dem VDH angeschlossenen Vereine unterliegen deshalb einer Kontrolle: Zwingend nötig für die Erteilung einer Zuchtzulassung ist die Röntgenaufnahme der Hüft- und Ellenbogengelenke und deren Beurteilung durch einen vom Verein bestimmten Gutachter.

Ergibt diese Beurteilung einen mittleren Hüftgelenksdysplasie (HD-D) oder einen schweren (HD-E) HD-Grad, so wird der Hund von der Zucht ausgeschlossen. Ein HD-Grad C (leichte HD) bedeutet keinen grundsätzlichen Ausschluss von der Zucht, jedoch geht mit einer solchen Beurteilung die Auflage einher, dass der betreffende Hund nur mit einem Hund gepaart werden darf, der frei von HD ist (HD A1–A2).

Bei der Ellenbogendysplasie führt Grad II und III zum Zuchtausschluss.

Neben den oben geschilderten Skeletterkrankungen ist auch die Vererbung verschiedener Augenkrankheiten möglich. Hierbei handelt es sich um die Progressive Retinaatrophie (PRA), den erblichen Katarakt (Grauer Star) und die Retinadysplasie (RD).

Im Falle von Retinadysplasie sind nur Hunde, die an der totalen Form (völlige Blindheit) erkrankt sind, von der Zucht ausgeschlossen, da sich bei den anderen Formen die Erblichkeit nicht nachweisen lässt.

Zuchthunde müssen regelmäßig auf Progressive Retinaatrophie, erblichen Katarakt  und Retinadysplasie getestet werden. Ein negativer Befund muss bei jedem Deckakt vorgelegt werden. Bei der PRA ist, sofern der Hund nicht bekanntermaßen PRA-freie Eltern hat, ein Gentest für die Zuchtzulassung erforderlich.

Epilepsie folgt beim Labrador einem polygen rezessiven Erbgang. Die Prävalenz lag in einer dänischen Studie bei 3,1%. Rüden scheinen gegenüber Hündinnen ein wesentlich erhöhtes Risiko zu haben.

Eine weitere rassespezifische Krankheit ist die Labrador-Myopathie, eine erbliche Muskelerkrankung. Klinisch äußert sich diese Erkrankung typischerweise ab dem Alter von 3 bis 4 Monaten, verläuft bis zum Alter von ca. einem Jahr progressiv und stabilisiert sich dann.

Symptome sind schnelle Ermüdung bei Belastung, Muskel-Atrophie und Verlust des Patellarsehnenreflexes. Histopathologisch ist eine Atrophie der Typ-II-Muskelfasern feststellbar.

Ähnliche Symptome wie bei der Myopathie treten beim Exercise Induced Collapse (EIC) auf. Diese Krankheit wird ebenfalls vererbt, tritt hauptsächlich bei Labrador Retrievern auf und äußert sich dadurch, dass betroffene Tiere bei längerer starker Anstrengung zunächst einen schwankenden Gang entwickeln und schließlich kollabieren können.

Nach einer Ruhepause tritt aber in der Regel eine vollständige Erholung ein.

Die Fibrinoide Leukodystrophie (Alexander’s Disease) ist eine sehr selten auftretende und sich schnell verschlechternde erbliche Erkrankung des Rückenmarks mit Lähmungen und Bewegungsstörungen. Sie entwickelt sich aus bislang ungeklärter Ursache innerhalb des ersten Lebenshalbjahres.

Die Axonopathie des Labradors ist eine Degeneration der weißen Substanz, die bei Welpen mit Hinterhandschwäche beginnt und sich zu übersteigerten Bewegungen (Hypermetrie) mit Neigung zum Umfallen entwickelt.

Beide Erkrankungen sind nicht behandelbar.

Die angeborene Harnleiterektopie tritt bei der Rasse ebenfalls überdurchschnittlich häufig auf.

Insgesamt hat der Labrador Retriever (ähnlich wie der Golden Retriever) eine für mittelgrosse Hunde überdurchschnittlich hohe Lebenserwartung. In einer schwedischen Studie an 350.000 Hunden starben 7 Prozent aller Labrador Retriever vor dem Alter von fünf Jahren, 14 Prozent vor dem Alter von 8 Jahren, und 25 Prozent wurden keine 10 Jahre alt.

Vergleichszahlen für den Durchschnitt aller Rassehunde liegen bei 22% (bis 5 Jahre), 23% (bis 8 Jahre) und 35% (bis 10 Jahre); für Mischlinge wurden 16%, 26% bzw. 35% ermittelt.

Fazit: Der Labrador- Retriever ist wahrscheinlich der beliebteste Familienhund der Welt. Seine Gutmütigkeit und sein „will to please“ machen ihn zu einem angenehmen, leichtführigen Hausgenossen.

Das macht ihn zu einem idealen Anfängerhund.

Da der Labrador Retriever  so oft gezüchtet wird, sollte man bei der Anschaffung dieser Hunderasse unbedingt auf gute Anlagen achten. Dies bezieht sich sowohl auf den Charakter als auch auf die körperliche Konstitution.

Bei der Auswahl ist es sehr wichtig, nur Welpen von möglichst HD- freien Eltern mit einwandfreiem Wesen auszusuchen.

Welcher Typ Mensch passt zum Labrador Retriever?

Der Labrador Retriever ist ein Hund, der keine besondere Erfahrung des Hundehalters voraussetzt. Deshalb ist er auch ideal als Anfängerhund geeignet. Trotzdem sollte die Erziehung nicht vernachlässigt werden und konsequent und liebevoll sein.

Ein „Labbi“ ist allerdings kein Hund für „Coach- Potatoes“! Er benötigt als Familienhund zusätzlich zur täglichen Gassirunde körperliche und geistige Auslastung. Deshalb sollte der Besitzer eines Labradors ein aktiver Mensch sein, dem es Spaß macht, sich gemeinsam mit seinem Hund zu beschäftigen.

Auch die Nähe zum Wasser sollte gegeben sein, damit der Labrador Retriever regelmäßig seiner „Lieblingssportart“- dem Schwimmen- nachkommen kann.

Herzliche Grüße

Eure Tanja

©: Tanja Häußler- www.tanjas-hundeblog.info

Bildquelle: Djmirko– CC BY-SA 3.0  ( http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de)

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Welcher Hund passt zu mir? Der Labrador Retriever
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  • Bodo mantrailing 19. Januar 2013, 18:18

    ein schöner Artikel. Leider kaufen sich immer noch viele Menschen ausschließlich einen Hund wegen der Optik und beschäftigen sich im Vorfeld gar nicht mit den rassespezifischen Merkmalen. Freue mich auf die anderen Vorstellungen.

    Reply
    • Tanja Häußler 20. Januar 2013, 17:27

      Vielen Dank für das Kompliment. Leider ist es so, dass immer noch Hunde hauptsächlich nach dem Aussehen ausgewählt werden- und nicht nach ihrer Veranlagung und ihrem Grundcharakter. Deshalb ist es mir auch wichtig, darüber zu informieren.

      Reply
  • Jens 23. Februar 2013, 00:17

    Diese Aufklärung ist sehr wichtig! Vor allem weil der Hund bei einer Familie immer in ein „wir“ kommt. Unsere Töchter hatten sich bei einer nahegelegenen Hundeschule begeistert – natürlich gleich für die grösseren Hunderassen. Nach einem Dreivierteljahr Dauerbearbeitung habe ich eingelenkt, eher in der Art „gut der Hund wird geduldet“. Jetzt ist er das Dritte Jahr bei uns und hat sich entschieden ausgerechnet mir überall zu folgen. Der Hund sucht sich wirklich auch den Menschen aus – wobei ich das wirklich nicht gefördert habe. So wird man dann zum „Herrchen“ gemacht…

    Reply
  • Labrador 19. Oktober 2013, 16:38

    Ein super Artikel!

    Ich finde, dass der Labrador ein absoluter Traum ist – optisch und charakterlich. Dennoch passt er vom Wesen her leider nicht zu uns, da wir einen Hund mit Wach-/Schutztrieb haben möchten. So zieht im nächsten Jahr ein Holländischer Schäferhund ein.

    Wie gesagt, toller Artikel!

    Reply
    • Tanja Häußler 23. Oktober 2013, 15:01

      Ja, der Holländische Schäferhund ist da wohl besser geeignet. Vielen Dank für das Kompliment und ich wünsche Dir viel Spaß nächstes Jahr mit deinem neuen Mitbewohner!

      Reply
  • Bella 7. Oktober 2014, 03:30

    Hallo,
    wirklich super Infos über den Labrador. Allerdings muss ich immer schmunzeln, wenn ich das Gewicht lese und die Größe, die so ein Rüde haben soll. Unser Prachtbursche wiegt 47 Kilogramm, ok, zwei Kilo sollte er wirklich abnehmen, aber dann wäre das Gewicht wirklich ok. Obwohl er Papiere hat (nagut, wir leben in Spanien, VDH-geprüft ist da sicherlich nix) vermuten wir in der Ahnenreihe einen kleinen Elefanten. Der sich allerdings nur von der Größe etwas durchsetzen könnte. Ansonsten hat er alles vom Labi.

    Super Hunde, tolle Rasse. Haben nur wie schon erwähnt fast nie einen wirklichen Hütetrieb. Außer wenn es um ihre Bälle geht.

    Schöne Grüße,
    Bella und Labi Tonko 🙂

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