Border Collie Chester- DK Fotodesign

Border Collie Chester- DK Fotodesign

Liebe Hundefreunde,

die richtige Antwort auf die Frage „Welcher Hund passt zu mir?“ ist von entscheidender Bedeutung für eine gut funktionierendes Mensch- Hund- Team.

Leider wird bei der Auswahl der richtigen Hunderasse immer noch zu wenig darauf geachtet.

Ich möchte meinen Lesern helfen, diese Frage  für sich richtig zu beantworten. Deshalb habe ich auf meinem Blog bereits über die Grundlagen zur Beantwortung der Frage „Welcher Hund passt zu mir?“  in einer vierteiligen Reihe geschrieben und einen Gratis- Ratgeber dazu verfasst.

Sozusagen als Fortsetzung veröffentliche ich in unregelmäßigen Abständen Porträts über die wichtigsten Hunderassen und kann dadurch hoffentlich helfen, die am besten passende Hunderasse zu finden.

Border Collie

Herkunft: Großbritannien

Schulterhöhe: Rüde 51-53 cm, Hündin etwas kleiner

Gewicht: 14-20 kg für beide Geschlechter

Fell: Mittellang, dicht; kurze weiche Unterwolle

Farbe: Schwarz- weiß, tricolor, braun, rot, blau; blue merle, rot merle, schwarz-weiß gesprenkelt. Die Farbe Weiß sollte nie vorherrschen.

Lebenserwartung: 10-12 Jahre

Kategorie: Schäferhunde

Der Border Collie ist eine von der FCI anerkannte Hunderasse  aus Schottland und Großbritannien (FCI-Gruppe 1, Sektion 1, Standard Nr. 297).

Herkunft und Geschichte

Bereits die Römer und die Wikinger brachten bei ihren Feldzügen Hunde mit nach England, aus denen sich im englisch- schottischen Grenzbereich eine flinke und wendige Hütehunderasse entwickelte.

John Caius, der Leibarzt von Königin Elisabeth I., lieferte im Jahre 1570 im Buch „Treatise on Englische Doggess“ die erste Beschreibung über die lautlose, geduckte Arbeitsweise des heutigen Border Collies. 1873 wurde von Schaffarmern der erste Hütehunde- Wettbewerb (Sheepdogtrial) organisiert und durchgeführt.

Im Jahre 1894 gewann ein Rüde namens „Old Hemp“ im Alter von einem Jahr einen dieser Wettbewerbe und blieb von da an ungeschlagen. Er bestach durch seine überragenden Hüteleistungen und wurde zum  begehrtesten und bedeutensten Zuchtrüden seiner Zeit. „Old Hemp“ gilt deshalb als der Stammvater des modernen Border Collies.

1906 wurde in England die Züchtervereinigung International Sheep Dog Society (ISDS) gegründet, die sich jedoch nur für die Arbeitsqualitäten der Hunde und nicht mit deren Aussehen beschäftigt. Seit 1910 existiert die Rassebezeichnung „Border Collie“.

Namensgebend ist seine geographische Herkunft, das „Border Line“ genannte Grenzland zwischen England und Schottland. Die Anerkennung durch die Fédération Cynologique Internationale (FCI) als eigenständige Rasse „Border Collie“ erfolgte erst 1976. In Deutschland tauchten die ersten Border Collies in den 1970er Jahren auf, der erste Eintrag eines Border Collies ins Zuchtbuch des Clubs für Britische Hütehunde erfolgte 1978.

Für die Züchtervereinigung International Sheep Dog Society (ISDS) gilt  alleine die Qualität der Arbeitsleistung des Hundes bei der Schafarbeit als Bewertungskriterium. Deshalb hat sie bis heute noch keinen Rassestandard für Border Collies herausgebracht, sondern führt lediglich ein Register der arbeitenden Hunde.

Seitdem 1873 die ersten Hütewettbewerbe (Sheepdogtrials) veranstaltet wurden, hat sich deren Popularität und Anzahl ständig vergrößert.  Heute finden diese Wettbewerbe regelmäßig und reglementiert in vielen Ländern statt, auch in Deutschland.

Wesen

Der Border Collie ist ein phänomenaler Arbeitshund mit  herausragenden Anlagen und Fähigkeiten. Er setzt in Bezug auf  Schnelligkeit, Effektivität und Ausdauer Maßstäbe und gilt zu Recht als der  beste und intelligenteste Hütehund der Welt. Er besitzt einen enormen Arbeitseifer, ein scharfes Auge, ein ebensolches Gehör sowie einen messerscharfen Verstand.

Er ist leichtführig und arbeitet zuverlässig und konzentriert mit dem Menschen zusammen, den er aufmerksam beobachtet und kleinste Gesten richtig zu deuten vermag.

Border Collie beim Schafehüten

Bei der Hütearbeit nimmt er die typische geduckte Arbeitshaltung mit unter den Bauch geschlagener Rute ein, was ein Anzeichen für höchste Konzentration ist. Dazu zeigt er das charakteristische „Auge“, wobei er das Vieh beinahe hypnotisierend anstarrt.

Gerade aufgrund der Tatsache, dass Border Collies lange Zeit nicht nach bestimmten Zuchtvorschriften eines Zuchtverbandes, sondern einzig nach ihrer Leistung beim Schafehüten ausgewählt wurden, sind sie heute eine ganz besondere Hunderasse.

Der Border Collie hat ein ausgeglichenes und freundliches Wesen, ist leicht zu kontrollieren und ist ein angenehmer und liebevoller Hund. Aber nur, wenn er körperlich und geistig stark gefordert wird. Und genau da liegt leider der Hase im Pfeffer. Er ist ein regelrechter Arbeitsjunkie, der jedoch immer häufiger als Begleit- und Familienhund gehalten und oft nicht genügend körperlich und geistig gefordert wird.

Dann entwickelt sich der Border Collie schnell zu einem überdrehten, hyperaktiven und manchmal sogar aggressiven Nervenbündel, das ständig bis zum Anschlag angespannt ist. Je mehr Aktivität man ihm jedoch anbietet, desto mehr fordert er paradoxerweise ein. Trotzdem braucht gerade dieser Workaholic auch ausreichende Ruhephasen.

Der Border Collie neigt dazu, gewisse Marotten zu entwickeln. So kann es vorkommen, dass er ein Kunststück zigmal hintereinander macht oder regelrecht versessen nach Dingen wie einem Ball oder einer Frisbeescheibe ist.

Er lernt sehr schnell, was allerdings auch für sich manifestierendes Fehlverhalten gilt, ist sehr aufmerksam, gleichzeitig sensibel und benötigt deshalb eine konsequente, aber liebevolle Erziehung.

Verwendung

Der Border Collie wurde als reiner Arbeitshund gezüchtet, dessen Aufgabe es war, riesige Schafherden über sehr weite Strecken zu treiben. Die Zuchtauswahl orientierte sich sehr lange Zeit nur an seiner Leistung als Hütehund. Auch wenn er heute vermehrt als Familienhund gehalten wird, so hat er sich sein Erbe bewahrt und seine Anlagen sind erhalten geblieben.

Das bedeutet, dass der Border Collie unbedingt einen adäquaten Ausgleich benötigt, wenn er nicht seinem Job als Schafhirte nachgehen kann. Um seinem unglaublichen Bewegungsdrang gerecht zu werden, sollte er sehr viel Auslauf bekommen.

Wobei der Ausdruck „sehr viel Auslauf“ eine ganz andere Dimension bekommt, wenn man bedenkt, dass Arbeitshunde manchmal bis zu 150 km am Tag zurücklegen!

Darüber hinaus sollte er mehrere Stunden pro Woche mit körperlich und  geistig forderndem Hundesport beschäftigt werden. Der schnelle und wendige Border Collie ist dabei für Agility geradezu prädestiniert, genauso wie für Flyball, Treibball oder Frisbee. Beim Obedience oder beim Erlernen von Hundetricks wird seine Intelligenz gefordert.

Sofern er ausreichend beschäftigt wird, ist er ein angenehmer und freundlicher Familienhund. Das gelingt jedoch nur, wenn sein Halter bereit und in der Lage ist, ihn geistig und körperlich auszulasten. Manche Menschen sind gar so fasziniert von dieser Rasse, dass sie sich extra ein paar Schafe zulegen, um den Border Collie artgerecht halten zu können.

Rassetypische Erkrankungen

Der Border Collie ist zwar grundsätzlich ein gesunder und robuster Hund. Dennoch tritt bei ihm wie bei allen Collies auch der MDR1-Defekt gehäuft auf. Dabei handelt es sich um einen Defekt des MDR1- Gens, der   eine Überempfindlichkeit gegenüber manchen Arzneistoffen zur Folge hat.

Eine andere Erkrankung, von der er betroffen sein kann, ist die Collie Eye Anomaly (CEA). Das ist eine  vererbbare Augenerkrankung, die zu einer angeborenen Beeinträchtigung der Sehkraft bis hin zur Erblindung führen kann.

Border Collies können noch an zwei weiteren Erbkrankheiten erkranken.

Die Canine Ceroid-Lipofuszinose (CL) ist eine vererbbare, unheilbar und tödlich verlaufende Stoffwechselerkrankung und beim Trapped Neutrophil Syndrome (TNS) handelt es sich um eine Knochenmarkserkrankung, bei der weiße Blutkörperchen zwar produziert werden, aber nicht in den Blutkreislauf abgegeben werden können.

Für alle drei genannten Erbkrankheiten- Collie Eye Anomaly, Canine Ceroid-Lipofuszinose (CL) und Trapped Neutrophil Syndrome (TNS)- existieren mittlerweile jedoch Gentests, die dazu beitragen, diese Erkrankungen in Zukunft durch entsprechende Zuchtstrategien zu verhindern.

Besonderheiten

Beim Border Collie wird zwischen Show- und Arbeitslinien unterschieden. Da er immer häufiger als reiner Begleit- und Familienhund gehalten wird, befürchten echte Liebhaber dieser Rasse, dass sie dadurch ihre unerreichte Qualität und Leistung in der Hütearbeit verlieren könnte.

Deshalb sollte man sich, falls man sich einen Border Collie zulegen möchte, darüber im Klaren sein, dass man seine einmaligen Anlagen und Eigenschaften nur aufrecht erhalten kann, wenn weiter nach Leistung gezüchtet wird. Darum sollte man einen Hund aus einer Arbeitslinie bevorzugen.

Merle / Merle Paarungen sind als Qualzucht verboten, da bei den Welpen häufig angeborene Defekte wie Taubheit oder Blindheit auftreten.

Meine beiden Allerliebsten meinen:

Meine beiden Allerliebsten meinen:

Fazit:

Der Border Collie ist ein sehr anspruchsvoller Hund, der sehr viel körperliche und geistige Beschäftigung  sowie eine konsequente, aber liebevolle Erziehung benötigt.

Dann ist er ein angenehmer, leicht zu führender und seinem Herrn treu ergebener und gehorsamer Gefährte. Durch sein hochintelligentes und sensibles Wesen besteht bei ihm- mehr als bei anderen Hunden- die Gefahr, dass er in den falschen Händen hysterisches Verhalten entwickelt.

Wer sich als sportlicher und sehr aktiver Mensch für einen Border Collie entscheidet, sollte sich gut überlegen, ob er dieser Herausforderung gewachsen ist.

Herzliche Grüße

Eure Tanja

© Tanja Häußler- www.tanjas-hundeblog.info

Bildquellen:

© Daniela Karrer- DK Fotodesign, © maundymitchell – Fotolia.com, © ferrerilavarialiotti – Fotolia.com

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Welcher Hund passt zu mir? Der Border Collie
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  • kunstecht 2. Oktober 2013, 08:38

    das mit dem aussuchen ist echt so eine Sache. Die meisten Leute gehen rein nach Aussehen oder Größe. Dabei hat es mancher kleine faustdick hinter den Ohren. Übrigens auf meinem Blog gibt es Hundekunst zu gewinnen. Würde mich über einen Besuch freuen

    Reply
  • Silke 16. Oktober 2013, 11:42

    Hallo Tanja, ich finde Deinen Blog sehr gut. Du informierst ohne zu ver oder beurteilen. Ich persönlich finde diese Aufklärung extrem wichtig, denn wie oft landen solche großen Hunde dann im Tierheim, weil sich die Leute vorher nicht genau bedacht hatten wie dieses Tier tickt. Und das ist sehr sehr traurig finde ich. Border Collies sind tolle Hunde und wie Du schon geschrieben hast sollte man ein sehr aktiver Mensch sein.
    Kennst Du das neue Blogger-System qwer.com ? Sag mir gerne auch per email was Du davon hältst.
    Alles Gute und freue mich auf Antwort

    Reply
    • Tanja Häußler 16. Oktober 2013, 20:35

      Hallo Silke,
      es freut mich wirklich sehr, wenn Dir mein Blog gefällt. Es ist für mich sehr wichtig Menschen darüber zu informieren, was sie erwartet, wenn sie sich einen Hund anschaffen und welche die passende Rasse für sie sein könnte.
      Der Grundgedanke dahinter ist natürlich eine tolle Mensch/Hund Beziehung und durch diese Informationen sollen auch weniger Hunde im Tierheim landen.
      Dein Blogger-System schaue ich mir mal an.
      Liebe Grüße Tanja

      Reply
  • Susanne 17. November 2013, 14:58

    Der Border Collie ist ein toller Hund, wenngleich er mir vom Äußeren her nicht besonders gut gefällt.

    Ich kann absolut verstehen, dass Menschen diesen Hund haben möchten, hat er doch eigentlich alles, was ein „guter“ Hund braucht:

    – Wachsamkeit
    – einen gewissen Schutztrieb
    – kinderlieb
    – rennt und spielt gerne

    Aber dass dieser Hund eigentlich ein Hund ist, der gefordert werden muss (MUSS und nicht KANN) übersehen die meisten. Das ist schade und schlimm für den Border Collie :(.

    Reply
  • Susanne M. 4. Dezember 2013, 20:34

    Der Blog ist klasse sehr informativ und über sichtlich. Viele Fragen zum Menschen liebsten Freund habe ich von anderen gestellt bekommen. Zum einen gibt es so viele verschiedene Hunderassen. Wichtig ist, dass man bei der Auswahl auf den persönlichen Lebensrhythmus achten sollte. Bin ich der Meinung. Gehe ich gerne spazieren, bin dadurch viel in der Natur unterwegs, dann könnte ein großer Hund, wie zum Beispiel ein Husky, zu mir passen. Bin ich ein City-Mensch, wohne in einer kleinen Wohnung ohne Garten und bin den ganzen Tag unterwegs, dann wäre ein kleiner Hund, der nicht viel Auslauf braucht, sehr viel geeigneter.

    Reply
    • Tanja Häußler 15. Dezember 2013, 16:59

      Liebe Susanne,

      vielen Dank für das Kompliment, freut mich sehr, wenn Dir mein Hundeblog gefällt. Mit Deinen Ausführungen hast Du prinzipiell recht, allerdings kann man das nicht nur an der Größe festmachen. Das ist auch stark von der Rasse abhängig, so braucht zum Beispiel der Jack Russell Terrier als kleiner Hund sehr viel Bewegung und Auslauf, da kann ich ein Lied von singen…
      LG Tanja

      Reply
  • Lisa 16. Januar 2014, 12:37

    Hallo Tanja,

    ich bin ein absoluter Fan von Border Collies. Du hast vollkommen Recht, wenn du in deinem Blog Beitrag sagst, dass diese Hunde viel Aufmerksamkeit und noch mehr Bewebung brauchen.
    Ich habe mit meiner Fiona die Erfahrung gemacht, dass Agility (z.B. mit solchen Hürden http://www.zooroyal.de/dog-activity-agility-huerde) eine tolle Möglichkeit ist, den Hund zu fordern und gemeinsam mit dem Hund aktiv zu sein.
    Selbstverständlich ersetzen solche Trainingseinheiten nicht die ausgiebigen Spaziergänge, aber vor allem im Sommer kann man so mit Hund und Familie eine schöne, und vor allem aktive Zeit verbringen 🙂

    Reply
    • Tanja Häußler 28. Januar 2014, 16:28

      Hallo Lisa,

      vielen Dank für Deinen schönen und informativen Kommentar. Agility ist in der Tat eine wunderbare Möglichkeit, einen Border Collie zu beschäftigen, macht unheimlich viel Spaß und hält auch Herrchen oder Frauchen fit! 🙂

      Reply

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