Jutta mit ihren Bären

Liebe Hundefreunde,

Jutta Schmid ist ausgebildete Tierverhaltenstherapeutin mit jahrzehntelanger Erfahrung und leitet seit 14 Jahren sehr erfolgreich das Hundezentrum Ulm.

Unterstützt von ihrem Team aus qualifizierten Hundetrainern, bietet sie von der professionellen Welpenschule über Anfänger- und Fortgeschrittenenkurse, einem Vorbereitungslehrgang zur Begleithundeprüfung bis hin zu Einzeltrainings- auch mit schwierigen „Problemhunden“- ein breites Spektrum rund um die Themen Hundeerziehung und – haltung an.

Auch der Hundesport kommt nicht zu kurz, so gibt es die Möglichkeit, neben Apportier- oder Flyballkursen, ganzjährig Agility zu betreiben.

Außerdem organisiert sie in ihrem Hundezentrum tolle und lehrreiche Seminare mit teilweise weltbekannten Hunde-experten wie dem Schweizer Hans Schlegel, Thomas Baumann und Andrea Kühne.

Sie gibt aber auch selber Lehrgänge und Seminare, so wie kürzlich das Seminar „Ein Welpe zieht ein“, welches ich mir natürlich nicht entgehen lassen wollte.
Schließlich werden die meisten und gravierendsten Fehler in der Welpen- und Hundeerziehung bereits bei der Auswahl des passenden Hundes und im ersten Lebensjahr gemacht.
Im Rahmen dieses Seminars konnte ich ein sehr interessantes Interview mit Jutta führen. Das möchte ich meinen Lesern natürlich nicht vorenthalten.

Viel Spaß beim Lesen!

Tanjas Hundeblog: Welche Gedanken sollte man sich machen und welche Überlegungen sollte man anstellen, bevor man sich einen Hund anschafft? Macht es zum Beispiel Sinn, sich einen Hund zuzulegen, wenn man Vollzeit arbeitet ?

Jutta Schmid: Ist die Familie einverstanden mit einem Hund? Was für eine Rasse möchte ich? Rasse oder Mix? Bin ich bereit mein Leben künftig so zu führen, dass ich dem Hund gerecht werde? Hab ich das nötige Geld um für den Hund zu sorgen?

Arbeiten ist die Existenzgrundlage eines jeden und bedeutet für die meisten von uns, dass man viele Stunden vom Tag nicht zu Hause anwesend ist. Das muss aber nicht automatisch bedeuten dass man deshalb keinen Hund halten kann.

Wer die Möglichkeit hat sich einen Hundesitter zu leisten, oder den Hund in eine gut geführte Hundetagesstätte zu geben, oder gar den Hund mit zur Arbeitsstätte zu nehmen, warum sollte so jemand keinen Hund haben? Auf keinen Fall sollte ein Hund aber länger als 4 Stunden alleine zu Hause verbringen müssen!

Tanjas Hundeblog: Ein Kernthema auf meinem Blog und eines, das mir persönlich sehr am Herzen liegt, ist die richtige Antwort auf die Frage: “Welcher Hund passt zu mir?“.

Die richtige und ehrliche Beantwortung dieser Frage BEVOR man sich einen Hund zulegt, ist meiner Meinung nach das Fundament für ein später gut funktionierendes Mensch- Hund- Team.

Ich meine damit, dass jede Hunderasse ihre eigenen rassespezifischen Merkmale hat, die berücksichtigt werden sollten.
So ist es sicherlich eine schlechte Entscheidung, sich als typischer „Coachpotatoe“, der dazu noch in einer kleinen Stadtwohnung lebt, einen Jagdhund wie z.B. den Deutsch Kurzhaar zuzulegen, der ein sehr großes Laufbedürfnis hat und über sehr viel Energie und Temperament verfügt.

Wie beurteilst Du die Wichtigkeit dieser Thematik?

Jutta Schmid: Eine sehr wichtige Thematik. Es geht in der Hundehaltung darum, dem Hund in seinen natürlichen Bedürfnissen und rassespezifischen Veranlagungen gerecht zu werden. Das heißt, ich muss mir darüber im Klaren sein, ob ich die Befriedigung dieser Bedürfnisse weitestgehend erfüllen kann.

Deshalb sind die wichtigste Punkte überhaupt: sich selbst zu hinterfragen, welcher Typ Mensch bin ich überhaupt? Sich in die einzelnen Rassen einzulesen, sich persönlich mit Rassehundehaltern zu unterhalten, sich auf Hundeplätzen umzuschauen, kurzum, sich ordentlich schlau machen über das Wesen Hund und seine natürlichen und rassespezifischen Veranlagungen.

Erst dann ziehe ich ein Resümee und treffe mit einem Quentchen Glück die richtige Entscheidung

Tanjas Hundeblog: Die Rolle des Hundes hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Vom reinen Arbeitshund hin zu einem beliebten Familienmitglied. Dennoch wurden die meisten Hunde ursprünglich für bestimmte Aufgaben gezüchtet, die auch heute noch die spezifischen Merkmale der jeweiligen Hunderasse ausmachen.

Bei manchen Rassen, wie z.B. dem Labrador Retriever, wurden mehrere Linien gezüchtet, wie eine Arbeitslinie und eine Ausstellungslinie. Hältst Du es für notwendig, neue Hunderassen zu züchten, die den Anforderungen an einen Familienhund noch besser entsprechen, als die heutigen Rassen?

Oder bist Du der Meinung, es gibt mehr als genug Hunderassen und da findet sich bereits heute für jeden Typ Mensch der richtige Hund?

Jutta Schmid: Es gibt meiner Meinung nach genügend Hunderassen und für jeden Typ Mensch auch die passende. Und es gibt genug Rassen die mit ihren vorhandenen Veranlagungen bestens als Familienhund geeignet sind, wenn man sich die Mühe macht, für Erziehung zu sorgen und die speziellen Veranlagungen des einzelnen Hundes in die richtigen Bahnen lenkt.

Tanjas Hundeblog: Gibt es so etwas wie eine prinzipiell „kinderliebe“ Hunderasse?

Jutta Schmid: Nein, die prinzipiell kinderliebe Hunderasse die gibt es nicht, auch wenn immer wieder bestimmte Rassen so dargestellt werden. Auch wenn Hunde im speziellen die Kinder ihrer eigenen Familie gleich ins Herz schließen, heißt das noch lange nicht, dass diese Hunde im Allgemeinen alle anderen Kinder ebenso mögen.

Ein Hund ist ein Hund ist ein Hund…Kinder sind Kinder und für einen Hund nicht berechenbar. Man muss nicht nur den Hund an Kinder heranführen, sondern es gilt auch, den Kindern klarzumachen wie man Hunden entsprechend begegnet und diese behandelt. Dass Welpen/Hunde keine lebenden Teddybären sind.

Tanjas Hundeblog: Gab es bei Dir auch schon solche Fälle, bei denen Du entscheiden musstest, dass sich Hund und Halter im beiderseitigen Interesse besser trennen sollten, weil es überhaupt keine andere Möglichkeit mehr gab?

Jutta Schmid: Ja, solche Fälle gab es schon. Wenn man sieht und erlebt dass bei aller Mühe um ein geordnetes Miteinander, der Hund oder der Mensch, oder auch beide unter einem so hohen Leidensdruck stehen, man sich nur noch im Kreise dreht, womöglich noch entsprechende Beißvorfälle vorkommen, dann ist es manchmal besser man trennt sich.

Es ist nicht einfach eine solche Entscheidung zu treffen. Und doch trafen die betroffenen Menschen die Entscheidung zuletzt immer ihrem Hund zu Liebe.

Tanjas Hundeblog: Ein Thema welches mir wirklich sehr am Herzen liegt, ist das Thema Welpenkauf. Leider gibt es sehr viele schwarze Schafe unter den Züchtern, die Welpen nur als Ware behandeln. Die Tiere werden vor allem in Osteuropa in Massen produziert und dann über Großhändler in Belgien und in den Niederlanden nach ganz Europa und damit auch nach Deutschland „verteilt“.

Wobei die Devise gilt, je jünger die Welpen, umso begehrter. Der Tierschutz wird dabei mit Füßen getreten. Viele Welpen werden in Kartons aufbewahrt und aus diesen heraus auf Märkten oder gar an der Autobahnraststätte billig verkauft. Viele der Welpen sterben bereits beim Transport oder kommen schwer krank in den Handel.

Leider findet man diese Welpen auch in diversen Kleinanzeigen („aus Familienzucht“) und in Zoofachgeschäften. Wie kann ich erkennen, ob ich es mit einem seriösen Züchter zu tun habe?

Jutta Schmid: Leider ist es inzwischen so dass Hundewelpen in Zoofachgeschäften angeboten werden. Und leider floriert dieser Handel. Das liegt aber einzig und allein an der Nachfrage nach billigen Rassewelpen. Woher diese Welpen kommen die zum Kauf angeboten werden, ist inzwischen hinreichend bekannt. Im Ausland geboren in Massenzuchtstätten, von Mutterhündinnen die als Gebärmaschinen missbraucht werden.

Viel zu früh von der Mutterhündin getrennt werden diese Welpen dann über die Grenzen geschafft und zum Verkauf angeboten. Solche Massenzuchtstätten gibt es übrigens auch in Deutschland! Dass sich die Menschen durch den Erwerb eines solchen Welpen vielfach einen Hund mit Deprivationsschäden ins Haus holen ist vielen nicht klar oder möchten dies einfach nicht hören.

Im Ergebnis wachsen Hunde heran, die, selbst bei größter Bemühung der Hundehalter um eine gute Entwicklung des Hundes, später Verhaltensstörungen zeigen. Die Störungen werden während der ersten 8 Wochen festgelegt und zeigen sich meist in einem Alter von 7-12 Monaten.

Kleinanzeigen lassen sich schön formulieren. Schreiben lässt sich viel und erzählen auch. Deshalb ist es das mindeste was man tun sollte, sich die „Zuchtstätte“ persönlich anzuschauen, und bei der Gelegenheit die Mutterhündin samt Welpen beobachten und das Verhältnis der Züchter zu den Hunden in Augenschein nehmen.

Hat man ein gesundes Bauchgefühl, erkennt man schnell ob hier alles mit rechten Dingen zugeht. Sollten einem Interessenten nur Welpen gezeigt werden, mit dem Hinweis die Mutterhündin wäre momentan „sonstwo“, sollte man die Finger von dieser Zucht lassen. Und sind die Welpen auch noch so süß.

Tanjas Hundeblog: Der Verband für das Deutsche Hundewesen VDH hat ein Gütesiegel für Züchter entwickelt, was nur Züchter von Rassehunden erhalten, die die Kriterien des VDH erfüllen. Kann ich mich ruhigen Gewissens daran orientieren?

Jutta Schmid: Nun, ob man das ruhigen Gewissens tun kann, vermag ich nicht zu sagen. Eine Orientierungshilfe aber ist es zumindest insofern, da das Gütesiegel aussagt, dass die Rahmenbedingungen sowie die Mindestanforderungen für die Zucht von Hunden, unter Beachtung des Tierschutzgesetzes erfüllt werden.

Für Zuchtberatung und Zuchtkontrollen sind die einzelnen Rassezuchtvereine zuständig. Trotzdem sollte man sich, wenn ein Rassehund angeschafft werden soll, verschiedene Zuchtstätten persönlich anschauen um sich ein Bild zu machen.

Tanjas Hundeblog: Ab welchem Alter darf ein Welpe frühestens von seiner Mutter und seinen Wurfgeschwistern getrennt werden?

Jutta Schmid: Frühestens ab der achten Woche sollte man einen Welpen von seiner Mutter trennen. Bis dahin hat der Welpe viel Nestwärme bekommen und ist, einen guten Züchter vorausgesetzt, sowohl auf Artgenossen als auch auf Menschen sozialisiert und wurde bereits auf die haushaltsübliche Geräuschkulisse geprägt. Zudem stellt sich bis zur achten Lebenswoche eine allmähliche Distanzvergrößerung der Mutterhündin zu ihren Welpen ein, was eine Trennung erleichtert.

Tanjas Hundeblog: Nehmen wir an, ich habe einen seriösen Züchter gefunden und mich für einen Welpen entschieden, der in ca. 2 Wochen einziehen soll. Was muss ich beachten bzw. vorbereiten, bevor mein Welpe einzieht?

Jutta Schmid: Die Wohnung sollte „welpengerecht“ verräumt werden. Auch eine Grundausstattung muss angeschafft werden. 

Hierzu gehören:
2 Näpfe, Halsband und Geschirr, dünne Welpenleine, lange Leine, Decke, evtl. klappbare Hundebox, langes Büffelhautknöchelchen, Stoffknoten, evtl. Sicheheitsgitter fürs Auto, weiche Bürste (Striegel), Zeckenzange, Desinfektionsmittel, Mullbinde, Tapeverband.

Tanjas Hundeblog: Endlich ist es so weit, der Welpe zieht ein und alle sind furchtbar aufgeregt. Wie sollten sich die Familienmitglieder gegenüber dem Welpen verhalten? Und ab wann kann ich anfangen, meinen Welpen zu erziehen?

Jutta Schmid: Die Familienmitglieder sollten sich schon von vorne herein einig darüber sein, wer sich weitestgehend um den Welpen kümmert. Sollten den Welpen beim Einzug nicht bestürmen, sondern ihm die Zeit geben ankommen zu dürfen.
Die Erziehung beginnt am Tag des Einzugs ins neue Heim.

Um dem Welpen von Anfang an den Start im neuen Heim mit möglichst wenigen Abmahnungen zu gestalten, sollte die Wohnung „welpensicher“ gestaltet worden sein. Das heißt: Kabel versteckt, Blumen und Pflanzen nach oben gestellt, Schuhe im Schuhschrank, empfindliche Teppiche weggeräumt, Kleinteile/Spielzeug verstaut, keine Tischdecken auf dem Tisch.

Tanjas Hundeblog: Die meisten Hundebesitzer wünschen sich eine gute Beziehung (Bindung) zu ihrem Hund. Wie kann man das erreichen? 

Jutta Schmid: Grundvoraussetzung ist es, zu lernen den Hund zu verstehen. Ihn als Hund zu achten und zu respektieren und ihn nicht vermenschlichen. Dem Hund von Anfang an ein verlässlicher Sozialpartner sein, indem der Mensch ihn in die neue Welt einführt, ihm Schutz gewährt und Zugehörigkeit spüren lässt. Hunde die am Leben ihrer Menschen teilnehmen dürfen, die Bestandteil des familiären Tagesablaufs sind, aktiv an ihm teilhaben können, haben die stärkste Bindung an ihren Menschen.

Erst einmal muss dem Welpen aber die Möglichkeit gegeben werden Bindung aufzubauen. Hierbei hilft, die ersten 10 Tage sowohl zu Hause als auch draußen unterwegs den Kontakt zu fremden Hunden und Menschen zu vermeiden. Die Familie muss diese Zeit für sich und ihren Welpen nutzen, ihn lernen lassen, WO und bei WEM sein Platz ist.

Das kann er aber nur, wenn er nicht von jedem Menschen genauso geherzt und gestreichelt wird wie von seiner Familie, und wenn er lernen darf, dass nicht alle Artgenossen automatisch nur für ihn präsent sind. Deshalb zu Anfang an wenig hundefrequentierten Strecken spazieren gehen. Eigentlich genügen die ersten Tage der eigene Garten oder die Straßen vor und ums Haus.

Tanjas Hundeblog: Wie viel Freiheit kann ich meinem Hund gewähren, ab wann kann er seine volle Freiheit genießen und wie erreiche ich das?

Jutta Schmid: Hunde erwarten und brauchen einen klaren Handlungsrahmen, feste Grenzen und eindeutige Kommunikation. Sie brauchen die Einordnung in klare Strukturen und Vorgaben, um sich orientieren zu können. Auf dieser Basis können sich Welpen aber auch bereits ältere Hunde dann mit ihrem Menschen an ihrer Seite, flexibel und angstfrei entwickeln.

Hunde sollten erst gar nicht lernen dürfen, dass sie sich verselbstständigen können. Sie müssen spüren, dass sie ihren Menschen brauchen. Deshalb beginnt die Erziehung des Hundes mit dem Tag des Einzugs ins neue Zuhause. Es versteht sich von selber, dass ein Hund erst dann volle Freiheit genießen darf, wenn er gut erzogen ist.
Je klarer der Handlungsrahmen, desto größer die Freiheit!

Tanjas Hundeblog: Die meisten Hundehalter wünschen sich einen „glücklichen“ Hund. Was braucht eigentlich ein Hund, um glücklich zu sein?

Jutta Schmid: Der Hund braucht seinen Menschen. Mensch und Hund müssen miteinander und nicht nebeneinander leben. Hunde die nur Hund sein dürfen, sind arm dran. Glücklich sind Hunde bei artgerechter Haltung und dazu gehört aktiver sozialer Kontakt mit seinen Menschen sowie geordnete und kontrollierte Kontakte mit Artgenossen.

Tanjas Hundeblog: Braucht ein Hund eine Aufgabe, um glücklich zu sein? Und wie kann so eine Aufgabe aussehen?

Jutta Schmid: Ja, Hunde brauchen Aufgaben. Hunde sollten das Gefühl haben dürfen, ein nützliches Mitglied ihres Familienrudels zu sein. Übungen, zu Hause und unterwegs, sind Aufgaben für einen Hund.

Werden diese Übungen/Aufgaben spielerisch und vielseitig gestaltet, sodass der Hund Erfolgserlebnisse verbuchen kann, spornen sie zudem seinen Eifer an mit seinem Menschen zu kooperieren, und vermitteln ihm das Gefühl von Zusammengehörigkeit.

Tanjas Hundeblog: In Deinem Seminar hast Du gesagt, auf jedes „Nein!“ folgt ein „Fein!“. Kannst Du meinen Lesern bitte kurz erklären, was Du damit meinst und wie wichtig das für die Hundeerziehung ist?

Jutta Schmid: Als Beispiel: ein Schüler macht in einem Wort einen Rechtschreibfehler. Ich korrigiere mit FALSCH (Nein). Weiß er jetzt automatisch wie er es richtig schreibt? … …und wenn er jetzt noch allgemein schwach in diesem Fach ist muss ich ihn als guter Lehrer unterstützen dass er es schafft, diese Schwachstelle durch seine Stärken in einem anderen Fach zu kompensieren um seinen grundsätzlichen Lernwillen zu erhalten.

Auf den Hund übertragen bedeutet das: der Hund zeigt Verhalten, welches ich mit NEIN(falsch) kommentiere. Hierbei darf ich es aber nicht belassen. Entweder ich schaffe es, das von mir erwünschte Verhalten so herbeizuführen, dass es der Hund richtig macht und einen Erfolg verbucht, oder ich mach ihm ein anderes Angebot und führe Verhalten bei, welches er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausführt.

Lass ich den Hund ständig „leer laufen“ baue ich schnell geballten Frust auf. Mit Frust umzugehen und diesen zu ertragen, das muss und kann erst nach und nach vom Hund gelernt werden. Das wichtigste bei jeder Verhaltenskorrektur ist deshalb die Kompensation (Ausgleichen) durch den motivierenden Einfluss bei Eintritt des erwünschten Verhaltens: FEIN!

Tanjas Hundeblog: Wie wichtig sind eigentlich die Ruhephasen für einen Hund und darf er dabei gestört werden?
Jutta Schmid: Hunde brauchen genau wie wir Menschen Ruhephasen um sich zu erholen. Ruhephasen sorgen neben entsprechender Aktivität für Ausgeglichenheit des Hundes.

Hunde die nicht zur Ruhe kommen können, weil ständig irgendwer sie zu irgendwas auffordert, stehen über kurz oder lang im wahrsten Sinne des Wortes unter Strom, haben Stress und entwickeln oft Problemverhalten. Auch körperliche Erkrankungen können die Folge sein.

Und es gibt durchaus Hunde, die, wenn sie im Schlaf gestört werden, reflexartig um sich schnappen. Dann heißt es: der Hund hat gebissen, er muss weg! Dabei wäre es nicht passiert, würde man dem Hund lassen was ihm zusteht und was er braucht, seine Ruhe.

Tanjas Hundeblog: Ist es ratsam, Futter als Belohnung einzusetzen, wenn ein Hund das von mir gewünschte Verhalten zeigt? Oder besteht die Gefahr, dass mein Hund später nur auf „Leckerli“ fixiert ist?

Jutta Schmid: Futter als Belohnung ist eine feine Sache! Allerdings muss man zwischen Belohnung und Bestechung unterscheiden. Und Futter allein darf nicht die einzige Belohnungsart sein.

Bestechen wäre z.B.:
Ich gebe ein Signal „SITZ“. Macht der Hund auch nach mehrmaliger Aufforderung noch kein „SITZ“, geht die Hand zur Leckerchentasche – und siehe da, der Hund sitzt! Hat er jetzt ein Signal befolgt und wird dafür mit einem Leckerli belohnt? Nein, er trainiert gerade seinen Menschen darauf für den von ihm erwarteten „Gehorsam“ zu bezahlen.

Wenn man also so vorgeht, ist man dabei seinen Hund zu bestechen: schau, du bekommst ein Leckerli wenn du dich setzt! – Der Auslösereiz ist das Leckerli und nicht das Signal des Hundeführers. Der Hund sagt glasklar: Hast du was – tu ich was!
Doch der Hund soll auf eine Belohnung hoffen und sie nicht schon vor der Übung angeboten bekommen!

In der Aufbauphase wird jede richtige Ausführung der Übung belohnt. Erst wenn der Hund die Übung verstanden hat und sicher ausführt, werden die Belohnungen nach und nach reduziert und nur noch unregelmäßig nach dem Lottoprinzip/ Glücksspielprinzip, belohnt. Dieses Prinzip sorgt dafür, dass das Gelernte zuverlässig ausgeführt wird, denn es könnte ja was geben. So wird aus der, von Leckerchengegnern verächtlich genannten wandelnden „Futtermaschine“, langsam aber sicher ein „Glückspielautomat “.

Wir Menschen sind nicht anders – einmal im Lotto gewonnen, sehen wir uns veranlasst jeden Samstag erneut zu spielen – in Erwartung eines möglichen Gewinns.

Am besten wirkt eine Belohnung dann, wenn sie der jeweiligen Stimmungslage des Hundes entgegenkommt. Ist er z. B. in Spiellaune, kann ein vom Hundeführer initiiertes Spiel die beste Belohnung für den Hund sein. Bei einem hungrigen Hund dagegen wirken Leckerlis wahre Wunder.

Tanjas Hundeblog: Was versteht man unter selbstbelohnendem Verhalten und warum macht ein Hund das eigentlich?

Jutta Schmid: Selbstbelohnendes Verhalten trägt die Belohnung schon in sich. Hierzu gehört: z.B. Jagdverhalten, stehlen, Unrat fressen, mobben oder auch aktive Aggression. Ignoriert man diese selbstbelohnenden Verhaltensweisen, wirkt also nicht ein, könnte der Hund dieses Ignorieren als „stille“ Bestätigung für sein Verhalten verstehen, und zeigt es künftig noch stärker.

Oft sind es die Hunde, die immer schon nur Hund sein durften. Denen nie irgendwelche Grenzen aufgezeigt wurden, die keine Regeln kennen lernen durften und nicht artgemäß beschäftigt wurden. Dadurch keine Bindung, geschweige denn Beziehung zu ihren Menschen aufbauen konnten. Hunde eben, die ohne jede Führung und Orientierung auf sich allein gestellt ihr Leben leben dürfen bzw. müssen.

Tanjas Hundeblog: Liebe Jutta, vielen Dank für dieses hochinteressante und sehr ausführliche Interview! Ich bin sicher, Du konntest damit viele Fragen, die sich auch meine Leser immer wieder stellen, beantworten. Ich wünsche Dir und dem Hundezentrum Ulm auch weiterhin viel Erfolg und alles Gute!

Aber es gibt noch viele Dinge mehr die beachtet werden müssen, zum Beispiel wie wird mein Welpe stubenrein, wie spiele ich mit meinem Welpen oder Hund richtig, wie funktioniert richtige Sozialisierung, wie und in welcher Reihenfolge bringe ich meinem Welpen bzw. Hund die wichtigsten Grundkommandos bei usw.

Dazu hat Jutta Schmid ein E-Book mit dem Titel „Die Geheimnisse erfolgreicher Welpenerziehung“ veröffentlicht. Ich bin total begeistert von dem E-Book und der Erfahrung, die dahinter steckt. Man merkt einfach, dass hier ein echter Hundeprofi aus der Praxis heraus dahinter steht, dem Hund und Halter wirklich am Herzen liegen.

Außerdem ist es sehr verständlich geschrieben. Ich habe schon viele Bücher zum Thema Hund gelesen, leider auch viel Unsinn, aber dieses Buch kann ich nur wärmstens empfehlen!
Und sogar erfahrene Hundebesitzer mit ausgewachsenen Hunden können da noch sehr viel lernen…

Herzliche Grüße

Eure Tanja
 www.tanjas-hundeblog.info

Bildquelle: Hundezentrum Ulm

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Interview mit Jutta Schmid vom Hundezentrum Ulm
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  • Monika Druschkowski 18. September 2013, 12:33

    Oh ja die Jutta versteht was von Hunden. Wir waren selber mit unseren 2 Collies Balou und Bandit fast 4 Jahre bei ihr in der Huschu und es hat jedesmal viel Spaß gemacht. Aus privaten Gründen sind wir dann in den Bayerischen Wald gezogen und haben uns dann aus den Augen verloren. Aber seit einem halben Jahr schreiben wir uns wieder regelmäßig, worüber ich sehr glücklich bin. Leider mußten wir unseren Bandit am 02.06.2013 einschläfern er hatte DM. Das hat uns den Boden unter den Füßen weggerissen. Mein Mann, meine Wenigkeit und vor allem Balou sind in ein tiefes Loch gefallen. Diese Krankheit wünsche ich keinem Hund. Das schlimmste er war mit dem Kopf voll da, aber sein Körper wollte nicht mehr. Es ist niederschmetternd, es zerreisst einem das Herz, du stehst da und kannst außer Physiotherapie und selber mit ihm Gymnastik machen nicht machen, nichts tun. Balou hat nichts mehr gefressen, er ist total ruhig geworden, hat es in der Zwischenzeit mit dem Herz, bekommt Medikamente und Globoli für die Trauer. Jetzt hoffen wir, daß er noch lange bei uns sein kann. Jutta gibt mir immer wieder Tips wie ich selber mit der Trauer umgehen muß und da bin ich sehr froh darüber. Sie verdient wirklich eine Goldtrophäe, denn sie selbst mußte auch schon viel durchmachen. Viele Grüße Monika Druschkowski aus dem Bayerischen Wald

    Reply
  • Jutta Schmid 19. September 2013, 21:45

    Vielen lieben Dank Monika!
    Jeder Hund ist etwas EINMALIGES, muss er gehen bleibt er uns unvergessen und ist durch nichts zu ersetzen. Nach einem solch schweren Verlust fallen wir tief und hart und nichts vermag diesen Fall bremsen. Und doch heißt hinfallen, wenn es danach auch ein bißchen dauert: aufstehen, Krone richten, weitergehen!
    Dir, deinem Mann und eurem Balou alles alles Gute!
    Liebe Grüße
    Jutta

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