Liebe Hundefreunde,

heute mal ein sehr interessantes Interview mit Dr. Klaus Witt, Tierarzt und Buchautor des Romans „Der Seelenfänger von Capri“.

Ich habe das Buch auch gelesen, es ist wirklich sehr, sehr spannend!!

Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten und- natürlich geht es auch um Hunde!

Sehr geehrter Dr. Klaus Witt,

Sie lieben die Insel Capri und sind gleichzeitig ein glühender Verehrer des Arztes, Schriftstellers und Philosophen Axel Munthe, der die berühmte Villa San Michele auf Capri baute.

Was imponiert Ihnen so an Axel Munthe?

Seine freidenkerischen Ansichten über die Welt, die Menschen, die Tiere, die Natur, die zeigen, dass er sich jeder Beeinflussung durch Religionen und durch andere vorgekaute Denkweisen entzieht.

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Stattdessen hört er auf seine innere Stimme und entwickelt Empathie, entwickelt eine Einstellung zu allem, das mit ihm lebt, welche, wenn man so will, nur die guten Seiten der verschiedenen Religionen in einer Schnittmenge vereint.

Er erkennt, dass alles Eins ist, dass Pflanzen, Tiere, Menschen der gleichen Herkunft sind und sieht die Welt durch eine Art buddhistisches Auge.

Das „Tatwam asi“, das „Siehe das bist Du“ oder „Alles was Du siehst, bist Du“ der altindischen Veda, welches nach Karlheinz Deschner als das oberste ethische Gesetz angesehen werden kann, drückt wohl am besten eine solche Geisteshaltung aus.

Dementsprechend war sein Einsatz als Arzt. Immer bereit zu helfen, auch und gerade wenn er nicht wusste, ob er überhaupt ein Honorar dafür bekommt.

Das viele Geld, das er für Tiere und notleidende Menschen spendete, erwirtschaftete er durch entsprechend hohe Honorare, die er von reichen, vom Glück begünstigten Menschen verlangte.

Eine Art Robin-Hood-Praxis.

Ich las „Das Buch von San Michele“ mit ungefähr zwölf, dreizehn Jahren und fand meine tiefsten Gefühle und Gedanken darin wieder. Da hatte einer gelebt, der dachte wie ich.

Und er hatte im Land meiner Sehnsucht eine märchenhafte Villa gebaut, die ein Heim für ihn und seine vielen Tiere, aber auch ein Symbol für seine Welt- und Lebensanschauung sein sollte.

Sehnsuchtsland für mich wurde Italien durch drei Aufenthalte mit meinen Eltern und meinem Bruder im Alter von neun bis elf Jahren.

Die fröhliche, italienische Lebensart verzauberte mich. Kurz danach las ich „Das Buch von San Michele“ und fand so meinen Seelenverwandten Axel Munthe. So kam eines zum anderen.

Was hat Sie an dem „Seelenfänger“, wie Sie die Hauptfigur, den Dottore auf Capri, bezeichnen, fasziniert und was können wir von ihm lernen?

Sie müssen sich vorstellen, da kommt ein junger Tierarzt, der seit Kindesbeinen diesen Berufswunsch hatte, dem er alles andere unterordnete und der viele Jahre lang Tag und Nacht mit fleißigem Studieren verbrachte, um sein Ziel zu erreichen, auf diese magische Insel, die an Schönheit und Ausstrahlung nicht zu überbieten ist und trifft auf einen Kollegen, der, mit viel Erfahrung und Selbstsicherheit gesegnet, mitten im Leben steht und von seinen Mitmenschen nahezu vergöttert wird.

Mit diesem darf er seine ersten unsicheren, beruflichen Schritte gehen und wird durch dessen souveränes Auftreten mitgetragen. Er erfährt, wie der charismatische Inseltierarzt mit psychologischem Geschick und Einfühlungsvermögen die Menschen für sich gewinnt und dadurch ihnen selbst sowie ihren Tieren helfen kann.

Er erkennt, dass sein bewunderter Kollege ein Seelenfänger ist, der diese Gabe aber nur zum Guten nützt, mit den Einheimischen ebenso wie mit prominenten Besuchern verfährt, sich durch nichts von seinem Weg abbringen lässt und jederzeit jedem mit Rat und Tat zu Verfügung steht. Helfen ist seine Maxime.

So ein Mann war natürlich für den jungen Tierarzt, also für mich, eine Art Heiliger, ein fast unerreichbares Vorbild, das mein eigenes Tun und Denken maßgeblich  befruchtet hat.

Wir können von ihm lernen, dass es eine sich und andere glücklich machende Lebensaufgabe ist, in Geradlinigkeit und Ehrlichkeit seinen privaten und beruflichen Weg zu gehen, ohne sich zu verbiegen. Die Menschen erkennen ein ehrliches Bemühen und wissen es zu schätzen.

Sie schreiben in Ihrem Buch: „In einer Welt, in der Tiere zunehmend gering geachtet werden, muss man sich zum Trotz für die Tiere einsetzen!“.

Sie plädieren für mehr Bewusstsein und Verantwortung beim Thema Tierhaltung.

Aber was kann der Einzelne dafür tun?

Der Einzelne kann sehr viel tun. Entscheidend ist, welche Einstellung er zum Leben anderer hat. Zum Wert des Lebens an sich. So wird er sich dann auch gegenüber Mit-Mensch, Mit-Tier und Umwelt verhalten.

Gerade was das Thema Fleischkonsum anbelangt, entscheidet jeder für sich selbst, wie oft oder ob überhaupt er Fleisch essen will. Wer es zum Vegetarier schafft, prima! Wer es gar zum Veganer schafft, wunderbar!

Aber das kann man nicht militant von jedem fordern. Es ist utopisch anzunehmen, dass die Menschen aufhören damit, Fleisch zu essen.

Die Menschheitsgeschichte geht einher mit der Nutzung der Tiere in vielerlei Hinsicht. Um nicht immer wilden Tieren nachjagen und blutige Kämpfe mit ihnen ausfechten zu müssen, domestizierte und züchtete der Mensch die Nutztierrassen.

Von ihnen bekam er Fleisch, Milch, Eier, Wolle, Leder und so weiter. Dafür sorgte er aber auch für die Tiere und lebte auf engstem Raum und fast Haut an Haut mit ihnen zusammen. Durch die Bevölkerungsexplosion auf der Erde und durch Geldgier kam es zur Entmenschlichung der Tierhaltung und führte, neben wenigen tiergerechten Haltungsformen, zu inhumanen Massentierproduktionsstätten.

Der persönliche Kontakt Mensch – Tier wurde weitgehend entpersonifiziert und inhumanisiert.

Eine Besserung kann nur durch Mäßigung im Fleischkonsum, was auch ernährungsphysiologisch viel gesünder für den Menschen ist, erreicht werden.

Will einer sich auf null heruntermäßigen, umso besser! Der hat meinen größten Respekt!

Es ist aber, wie schon gesagt, eine Utopie, darauf zu hoffen, dass die Menschen aufhören, Tiere zu schlachten, so wie es leider auch eine Utopie ist, zu hoffen, dass sie keine Kriege mehr führen.

So lange es noch Schlachthöfe gibt, wird es auch Schlachtfelder geben, sagte Tolstoi. Ich fürchte deshalb, dass zu militante und extreme Forderungen einiger Veganer und Tierethiker dazu führen, dass viele überfordert aus diesem Gedankenzug aussteigen und als Folge davon die Tierrechte als lästig oder gar überflüssig abtun.

Für kein einziges Tier wird dadurch eine Besserung erreicht! Das schlimmste Unrecht am Tier, liegt nicht in drei Sekunden Tötungsvorgang, sondern in Wochen, Monaten und Jahren Haltungsqualen vorher!

Deshalb plädiere ich dafür, dass an der Haltung der Tiere, an unserer Einstellung ihnen gegenüber, am Respekt vor ihrem Leben, ja, am Respekt vor dem Leben an sich angesetzt werden muss. Jedoch, selbst wenn kein Mensch mehr Fleisch äße, würde das Gewaltprinzip, das ich in meinem Buch anprangere und das in unsere Welt leider unumkehrbar eingepflanzt ist, nicht getilgt.

Es bleibt dem Einzelnen als Aufgabe gestellt, was er für sein Karma tun will, wie er sich der Ehrfurcht vor dem Leben, die uns Albert Schweitzer so schön definiert hat, gegenüber verhalten will.

Er kann kein Fleisch essen oder wenig und selten Fleisch essen und er kann, wenn er Fleisch isst, bewusst auf die Herkunft der Tiere achten, damit artgerechte Haltungen unterstützt werden und andere Haltungsformen dadurch verschwinden, dass man ihre Produkte einfach nicht mehr kauft.

Er kann auf diese Weise sehr viel tun und sich auch noch in vieler anderer Hinsicht dem Wohle der Tiere widmen, ganz wie es ihm beliebt. Aber so viel er auch tun mag, er wird nicht das Gewaltprinzip aus der Welt tilgen können. Bevor man aber resignierend gar nichts tut, soll jeder das tun, das in seiner Macht steht, um die Dinge zu bessern!

Ein Tropfen auf dem heißen Stein sein, zum Trotz Gutes tun.

Das ist auch das oder ein Motto meines Buches.

 

Zum Buch:  http://www.komplett-media.de/de_der-seelenfaenger-von-capri_112518.html

 

Buchrezension:
Capri scheint eine Insel mit magischer Wirkung zu sein. Zumindest Dr. Klaus Witt öffnet sich ihrer „Zauberkraft“ mit allen Sinnen und erlebt zwei Wochen zwischen Tagträumen und märchenhaften Nächten, Erinnerungen und Zukunftsvisionen, voller Leben und Tod, Liebe, Leid und Einsamkeit, unplanbaren Begegnungen, kulinarischen Explosionen und ausgelassene Festen, Naturschönheiten und weiblichen Göttinnen, kurz: Das pralle Leben in seinen berührendsten Facetten.
Fast immer an seiner Seite: Der Dottore. Ich weiß gar nicht mehr, ob Dr. Klaus Witt ihn in seinem Buch „Der Seelenfänger von Capri“ auch nur einmal beim Namen genannt hat, fest steht: Der Titel ist wörtlich zu nehmen, denn es gibt auf ganz Capri keinen charismatischeren Tierarzt, der dem Freund aus Deutschland – übrigens ebenfalls ein Veterinär – Türen öffnet, an denen Touristen normalerweise achtlos oder sehnsuchtsvoll seufzend vorüber gehen.
Da ist zum Beispiel der kleine Nero, dessen Leben über Tage am viel zitierten seidenen Faden hängt. Oder die Hündin Oona, die einer Leinwandschönheit gehört und entsprechend für höchstmögliche Dramatik im Leben des Autors sorgt. Auch weil seine Mutter sehr krank ist, begleitet ihr absehbarer Tod den außergewöhnlichen Urlaub fast jede Minute und macht schöne Momente dafür um so tiefer, berührender und unvergesslicher.
Überhaupt spielen Klaus Witts Betrachtungen über das Leben und seine Würde eine wichtige Rolle in diesem Buch, das philosophische Abhandlung, Roman und authentisches Reisetagebuch in einem ist.
So sehr ihn schöne Frauen fesseln und bezaubern: Seine ganze Liebe gehört den Tieren, für die Klaus Witt immer wieder Fürsprecher ist: „Die Seele als Monopol für den Menschen, die Krone der Schöpfung? Und die Tiere sollten seelenlos und rechtlos sein? Das kann keiner einsehen, der mit Tieren zu tun hat“, ist der Autor überzeugt und opfert mühelos zahlreiche Urlaubstage um den „Dottore“ zu zahlreichen interessanten Hausbesuchen und zwei Hunde auf ihrem Heilungsweg zu begleiten.
In Zeiten, in denen Tiere auf unvorstellbar grausame Weise in Massen gehalten und gemästet, quer durch Kontinente zu Schlachthöfen gekarrt und dort oft noch sinnlos gequält werden, ist dieses poetische, leise und so tiefsinnig mitfühlende Buch eine Wohltat für zutiefst erschreckte Menschenseelen, die diesen menschen- und tierunwürdigen Zuständen oft ohnmächtig gegenüber stehen, die im Grunde den ethischen Zustand der Menschheit widerspiegeln und die deshalb unmöglich in irgendeiner Weise getrennt von unserem eigenen Alltag gesehen werden dürfen.
„Wo immer ein Tier in den Dienst des Menschen gezwungen wird, gehen die Leiden, die es erduldet, uns alle an“, sagte Albert Schweitzer. Klaus Witt sieht es so: „Zum Trotz muss man das Gute tun. In einer Welt, in der Tiere zunehmend gering geachtet werden, muss man sich zum Trotz für die Tiere einsetzen! In einer Welt, welche die Schwachen ignoriert und übergeht, muss man sich für die Schwachen einsetzen! Für die Kinder! Für die Alten! Für die Minderheiten!…Der Wolf kann nicht begreifen, dass es sein eigenes Fleisch ist, in das er seine Zähne schlägt, wenn er ein Lamm reißt. Der Mensch kann und muss es begreifen,“ fordert der Autor.
Es muss nicht der 24-Stunden-Einsatz sein, wie ihn Klaus Witt leistet, etwas mehr Bewusstsein beim Einkaufen und Konsumieren trägt bereits dazu bei, dass sich die Situation vieler Tiere und damit unsere eigene zum Würdigeren wenden kann.
Unter diesem Aspekt ein wichtiges Buch, das zeitlos-epischen Fragen und manchmal schier übermenschliche Verantwortung mit sommerlich-leichtem Dolce Vita verbindet. Eine wirklich lesenswerte Mischung!
Klaus Witt „Der Seelenfänger von Capri“, 272 Seiten, gebunden, 19 Euro 95, Komplett-Media
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Vielen lieben Dank,  Dr. Klaus Witt für das tolle und sehr interessante Interview auf Tanja´s Hundeblog,

Ich  wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihrem Buch und für die Zukunft alles Gute auch für Ihre Tierarztpraxis!

 

 

 

Wenn Ihnen das Interview „Der Seelenfänger von Capri“ gefallen, würde ich mich sehr gerne über eine positive Bewertung ffreuen.

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  • Chihuahua-Fan 15. Oktober 2016, 07:17

    Interessant, dass ein Tierarzt einen Roman schreibt. Hat man ja so immer nicht auf dem Schirm, dass die abseits ihrer Praxis auch noch ein Leben haben 😛 Aber ich werds mir mal anschauen, alleine schon aus Interesse. Also danke dir für die Vorstellung.

    Reply
    • Tanja Häußler 23. Oktober 2016, 11:42

      Ja, das Buch ist wirklich sehr spannend und hat mich wirklich sehr berührt.
      Habe ich sehr gerne gemacht.
      LG Tanja und die Fellmonster

      Reply
  • Hundeausbildung 14. November 2016, 12:12

    Hallo,
    erstmal ein großes Lob für deinen Blog gefällt mir sehr gut 🙂
    Das Buch habe ich mir direkt mal bestellt. Ich lese sehr gerne und bin wirklich gespannt.
    Ich werde berichten.
    Lg

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