Jack Russell Terrier Whisky beim Agility

Liebe Hundefreunde,

Agility als Hundesport mit Spassfaktor für Mensch und Hund erfreut sich schon seit Jahren zunehmender Beliebtheit. Auch im Hundezentrum Ulm gibt es selbstverständlich die Möglichkeit, Agility für Jedermann (-frau) ohne Tunierstress zu betreiben.  Traditioneller Abschluss der Agility- Saison war auch in diesem Jahr das große Abschlusstunier.

Wir freuten uns schon alle riesig darauf und waren gespannt, wer wohl dieses Jahr die Pokale abräumen würde. Wie immer wurde auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt, es gab Kaffee und Kuchen, hausgemachte Fleischbällchen und Butterbrezeln. Auch mein Jack Russell Terrier Whisky war super gut drauf und voller Arbeitseifer, was beim Agility von Vorteil ist.

Als ältester Teilnehmer (10 Jahre alt!) mit massivem Trainingsrückstand landete er am Schluss sogar auf dem Treppchen und bekam auch noch einen Pokal! Aber schaut euch doch das folgende Video selber an, ich wünsche euch viel Spaß dabei!

 

Was ist Agility eigentlich und was sind die Voraussetzungen, um mit seinem Hund Agility betreiben zu können? 

Agility  (engl. Wendigkeit, Flinkheit) ist eine Hundesportart, die ursprünglich aus England stammt. Man sollte den Parcours fehlerfrei in einer vorgegebenen Zeit bewältigen. „Parcours“ bezeichnet eine Hindernisstrecke. 1980  kam dieser Hundesport auch nach Deutschland. Agility gehört zu den weltweit etablierten modernen Hundesportarten und wird von sehr vielen Hundesportvereinen und Hundeschulen angeboten.

Dieser Sport ist für die meisten Hunde geeignet. Sehr große Hunde sind allerdings selten, einerseits aus gesundheitlichen Gründen, andererseits, weil sie in Wettbewerben eher chancenlos sind. In der Klasse Maxi bzw. Large sieht man sehr oft wendige Hunde wie Border Collie, Australian Shepherd und Belgische Schäferhunde. Bei den kleineren Klassen besteht eine größere Variation der Hunderassen.

Die Hunde dürfen keine Schädigungen des Bewegungsapparates aufweisen, sprich der Hund muss gesund sein. Wenn man an Turnieren mitmacht, sollte der Hund eine Begleithundeprüfung absolviert haben. Der Hund sollte bereit sein, mit seinem Hundeführer zu arbeiten.

Er sollte auf jeden Fall ein gutes Grundgehorsam  besitzen und bereits gelernt haben, mit seinem Hundeführer zu spielen und dabei auch Spaß  zu haben, kurz, der Hundeführer soll für seinen Hund interessant sein. Er verfolgt mit Spannung seinen Menschen und folgt ihm bereitwillig.

Positives Denken ist eine wichtige Grundlage für den Erfolg- auch beim Agility! Das heißt, Sie gehen mit dem Gefühl auf den Platz, dass Sie und Ihr Hund die folgenden Herausforderungen locker schaffen werden. Diese positive Zuversicht überträgt sich auch auf Ihren Hund- er spürt das. Wenn Sie allerdings zu sich sagen „Oh Gott, wie sollen wir das bloß schaffen…“, wird sich Ihre Unsicherheit genauso auf Ihren Hund übertragen.

Gehen Sie also mit den Gedanken „wir schaffen das“ auf den Platz- und nicht mit „Ich bin mal gespannt, ob der das Hindernis überwinden kann…“

Aber das Wichtigste beim Agility sind der Spaß und die sportliche Aktivität. Daher muss gewährleistet sein, dass der Hund gesund ist und nicht überfordert wird. Denn „Agility is fun!“

Spaß beim AgilityUm den Parcours erfolgreich zu  absolvieren, setzt man ein hohes Maß an Geschick bei Mensch und Hund voraus. Vor allem in den hohen Leistungsklassen führen bereits kleinere Führfehler des Hundeführers oder eine kurze Unaufmerksamkeit des Hundes leicht zu Fehlern, die eine Disqualifikation nach sich ziehen können.

Genau diese Notwendigkeit exakter Zusammenarbeit des Teams macht aber einen Großteil des Reizes dieser Sportart für die Aktiven aus. Das Team stellt sich sehr fein aufeinander ein. Jeder beobachtet den anderen und beachtet winzige Hinweise seines Teampartners.

Dieses Zusammenspiel wirkt sich auf die gesamte Mensch-Hund-Beziehung aus und beeinflusst diese positiv. Trainieren sollte man ein- bis zweimal die Woche um ein gutes Ergebnis vorweisen zu können.

Wie bringe ich meinem Hund bei, über ein Hindernis zu springen?

Ganz einfach: Am besten sind Sie zu zweit und  stellen zwei Hürden in einem Abstand von drei bis fünf Metern auf. Danach positionieren Sie ihren Hund vor den Hürden, wobei ihn der Helfer festhält. Der Hundeführer steht hinter der zweiten Hürde in der Mitte der Hürde und ruft seinen Hund mit seinem Namen heran.

Kommt der Hund, wird er ausgiebig gelobt-  entweder mit Hilfe eines Leckerlis oder Sie werfen einen Ball gerade hinter sich. Das wird solange einstudiert, bis es zuverlässig klappt.

Danach können sie zwei weitere Hürden im selben Abstand hinzufügen. Sie stehen an der zweiten Stange und rufen ihren Hund- kommt er, laufen sie ab er zweiten Stange mit ihm mit.

Klappt auch das zuverlässig, können Sie Ihren Hund an der ersten Hürde absetzen, und zwar nicht direkt vor, sondern mit etwas Abstand zur Hürde, damit ihr Hund Anlauf nehmen kann und laufen mit ihm gemeinsam die vier Hürden. Führen sie ihn mit der Hand und geben sie dabei ein Hörzeichen, also zum Beispiel „Hopp“.

Bricht ihr Hund aus, gehen sie wieder einen Schritt zurück- sprich, Sie nehmen wieder zwei Hürden.

Wenn das gut funktioniert, können Sie einen Tunnel hinzufügen:

Auch hierfür benötigen Sie wieder zwei Personen.  Eine Person ist vor dem Tunnel und hält den Hund, die zweite, in der Regel der Hundeführer, steht hinter dem Tunnel.  Strecken sie ihren Kopf und rufen Sie Ihren Hund mit seinem Namen. Kommt er, gehen Sie gerade zurück, damit Sie ihm nicht den Ausgang versperren und rufen ihn nochmals. Bei Erfolg wird er ausgiebig gelobt.

Klappt das auch zuverlässig, rennen Sie gemeinsam und ohne zu Stocken auf den Tunnel zu, zeigen darauf und sagen „Tunnel“!

Wenn Ihr Hund jetzt in den Tunnel rennt, rennen Sie neben dem Tunnel her und loben ihren Hund, sobald er aus dem Tunnel wieder rauskommt. Danach kombinieren sie dann Tunnel und Hürden.

Eine Hürde kommt vor und eine hinter den Tunnel. Klappt das zuverlässig, wird der Tunnel erst um 45°,  dann um 90° ( im rechten Winkel) gebogen.

Aber es gibt noch viele andere Geräte wie zum Beispiel den Sacktunnel, den Laufsteg, die Wippe, die Schrägwand, die auch „A-Wand“ genannt wird, und nicht zu vergessen den Slalom!

Alle Geräte müssen zunächst einzeln einstudiert werden, bevor man sie kombinieren kann. Nachdem dem Hund alle Geräte vertraut sind, muss der Hundeführer lernen, den Hund richtig durch den Parcours zu führen. Um einen Hund richtig durch den Parcours führen zu können, ist der  Blickkontakt zwischen Hund und Mensch sehr wichtig, genauso, wie die Körpersprache des Menschen.

Es gibt verschiedene Arten der Führung durch den Parcours.

 

Welche Führtechniken gibt es?

Der Hund wird beim Agility wechselnd an beiden Körperseiten geführt; dadurch kann der Laufweg des Hundeführers verkürzt werden und der Parcours vom Hund schneller bewältigt werden. Der Hund läuft  nicht auf der gleichen Höhe wie der Mensch, sondern eilt ihm voraus oder bleibt kurzzeitig hinter ihm, ohne dabei den Kontakt zu verlieren.

Der Hundeführer versucht den Hund  immer im Blick zu haben, auch wenn er die Führhand wechseln muss, der Hund also auf die andere Körperseite des Hundeführers wechselt. Dazu nutzt man bestimmte Techniken des Wechsels:

Beim Belgischen Wechsel (Wechsel vor dem Hund) wird in einer Wende die Führhand gewechselt, um den Blickkontakt zum Hund beizubehalten. Dieser Wechsel ist Zeit sparend im Parcours, weil viele Hunde durch die Drehung des Hundeführers schneller zu laufen beginnen und der Laufweg des Hundes (Kurvenradius!) verkürzt wird.

Beispiel:

Ausgangssituation: Hund hinten links vom Hundeführer

Ziel: 90° Rechtsdrehung und Wechsel des Hundes auf die rechte Seite

Durchführung: 270° Linksdrehung des Hundeführers

Der Französische Wechsel (auch blinder Wechsel oder Japaner genannt, Wechsel vor dem Hund) wird verwendet, um Mittels einer Drehung des Körpers die Führhand zu wechseln, dabei geht der Blickkontakt zum Hund kurzfristig verloren. Dieser Wechsel spart Zeit im Parcours, da man die Laufrichtung nicht ändert, wenn man sich weit genug vor dem Hund befindet.

Je nach Gegebenheiten im Parcours ist es manchmal notwendig, hinter dem Hund zu wechseln (back cross). Dabei wird der Hund über ein Hindernis vorausgeschickt und hinter ihm seine Lauflinie gekreuzt. Der Wechsel hinter dem Hund wird meist nur eingesetzt, wenn kein anderer Wechsel möglich ist, da viele Hunde dadurch die Sequenz langsamer bewältigen.

 

Was sind Kontaktzonenhindernisse?

Einen besonderen Stellenwert nehmen die Kontaktzonenhindernisse ein. Diese Hindernisse haben gekennzeichnete Bereiche, die Kontaktzonen, die der Hund zwingend berühren muss. Sie wurden erdacht, um den Hund abzubremsen und damit die Belastung seiner Gelenke zu verringern. Der Hund darf nicht im weiten Satz auf- oder abspringen.

Die Kontaktzonen sind farblich abgesetzt, die Farbe auch an den Seiten aufgebracht, damit ein Fehler besser erkannt werden kann. Die früher oft übliche Kombination „gelbes Hindernis mit roten Kontaktzonen“ ist die schlechteste Wahl, da der Hund diesen Farbunterschied kaum wahrnehmen kann.

Neuere Hindernisse nutzen daher meist blau als Farbe für das Hindernis, die Kontaktzonen sind häufig rot.

 

Welche Größen- und Leistungsklassen gibt es im Agility?

Gestartet wird je nach Reglement in zwei bis vier Größenklassen, in die die Hunde nach der Schulterhöhe eingeteilt werden:

Mini und Maxi (IRJGV in Deutschland)

Small, Medium und Large (FCI und IMCA international, VDH in Deutschland, SKG in der Schweiz, sowie ÖKV und ÖHU in Österreich)

Toy, Mini, Midi und Maxi (IFCS)

In den verschiedenen Größenklassen wird die Höhe der Hindernisse der jeweiligen Größe der Hunde angepasst.

Je nach Leistungsstand des Hundes starten diese entweder in einer der drei Leistungsklassen oder in der Senioren– bzw. Beginner-Klasse. Die Schwierigkeit wird gesteigert durch eine etwas größere Höhe der Hindernisse, vor allem aber durch einen anspruchsvolleren Parcoursaufbau.

In den hohen Leistungsklassen ist es durchaus üblich, dass gerade hinter einem Hindernis ein weiteres steht, welches jedoch nicht im Anschluss an dieses überwunden werden darf. Ebenso kann der Parcours dicht an Hindernissen gerade vorbei führen. Hier ist eine saubere Führtechnik und äußerste Konzentration beider Teampartner gefragt.

Am bestem läuft man am Anfang den  Parcours ohne Hund ab.  Dabei überlegt man sich, wie man den Hund am besten durch den Parcours führt und merkt sich dabei noch die Reihenfolge der Hindernisse. Erst wenn man den Parcours  richtig im Kopf hat, genau weiß, welchen Wechsel man wo verwendet und wie die Reihenfolge der Hindernisse ist, bzw. ob man den Hund über ein Hindernis rechts oder links führt, kann es losgehen.

Dann holt man seinen Hund dazu, der bereits aufgewärmt sein sollte, und der Spaß kann beginnen! Da geht es den Hunden wie den Menschen: Vor dem Sport aufwärmen, um Verletzungen vorzubeugen!

Agility sollte man am besten in einer guten Hundeschule oder in einem Verein erlernen. Es macht viel mehr Spaß, in einer Gruppe zu arbeiten. Auch sieht man die eigenen Fehler in der Führung oft nicht und ein Trainer kann einem dabei helfen, seinen Hund besser zu führen. Denn ein guter Trainer registriert jede falsch ausgeführte Bewegung, die dann eventuell dazu führt, dass der Hund ein falsches Hindernis nimmt, den Tunnel überspringt, die Hürden umläuft etc…

So ist es zumindest bei unserer Trainerin im HZU– unsere „Kadda“ sieht einfach alles…

 

 

Agility ist ein toller Hundesport, bei dem Mensch und Hund gefordert werden und bei dem man sportlich aktiv ist.

Darüber hinaus macht das Ganze noch riesig Spaß und fördert die Mensch- Hund- Bindung enorm.

Wenn Sie jetzt Lust auf Agility bekommen haben, probieren Sie es doch einfach mal aus!

Ich wünsche Ihnen viel Spaß dabei!

Herzliche Grüße

Eure Tanja

© Tanja Häußler- www.tanjas-hundeblog.info

Bildquellen:

DK Fotodesign- www.dk-fotodesign.com

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Agility- Hundesport mit Spassfaktor
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  • Hundenest 30. November 2012, 05:45

    Hallo Tanja, schöner Artikel vielen Dank. Ich möchte das mit meinem Australian Shepherd auch bald anfangen. Liebe Grüße Angelika von Hundenest

    Reply
  • Mike 10. Dezember 2012, 11:55

    Ich habe es nie gemacht, mein Bereich ist der SchH-Sport, war aber in einer OG die Agility gemacht haben. Ich habe bei Veranstaltungen gerne geholfen, es hat mir mehr Spaß gemacht zu helfen und beim Agility zugeschaut. Es ist schon eine schöne Sportart, die schön anzuschauen ist.
    Dein Artikel ist sehr interessant und sehr ausführlich geschrieben.

    LG von Mike

    Reply
  • Janine Kuster 4. März 2013, 00:22

    Auch ich bin dem Agility-Virus völlig verfallen, umso mehr freue ich mich über diesen schönen Artikel.
    Vielen Dank dafür und weiterhin viel Spass beim Training wünschen die Emspfoten aus Rheine
    Janine Kuster mit Günther, Antje und Mila

    Reply
  • Sonja 16. März 2013, 10:27

    Sehr schöner Artikel, gefällt mir wirklich gut. Agility betreibe ich selbst auch schon seit vielen Jahren, wenngleich nur auf Spass- Ebene. Die positive Wirkung der körperlichen und geistigen Auslastung für den Hund und natürlich auch den Mensch ist absolut spürbar.

    Reply
  • Christian 9. Februar 2015, 18:23

    Interessanter Agility Artikel für Einsteiger, du solltest überlegen diesen in mehrere Artikel aufzuteilen, dies liest sich ggf. besser.

    Reply
    • Tanja Häußler 9. Februar 2015, 19:33

      Danke lieber Christian für die Anregung, werde ich bei Gelegenheit gerne umsetzten.

      LG Tanja

      Reply
  • Nadine 11. März 2016, 15:51

    Wir sind von Agility bzw. Bewegung eher in Richtung Kopfarbeit gegangen. Auch aus gesundheitlichen Gründen. Inzwischen machen unsere Hunde viele Tricks und Intelligenzspielzeuge macht ihnen auch eine Menge Spaß 🙂 Leider ist bei Letzterem schnell die Luft raus, wenn es einmal geknackt wurde.

    Denke auch gerade wieder darüber nach, hin und wieder Abwechslung reinzubringen. Agility macht einfach viel Freude, wenn es nicht zu „extrem“ betrieben wird.

    Verbindet Hund und Halter einfach sehr und bildet ein echtes Team 🙂

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